SKOLIOSEN: Adulte Skoliose / Erwachsenenskoliose

Definition

In der Gruppe der adulten Skoliosen werden Patienten mit einer Skoliose im Erwachsenenalter (>30 LJ.) erfasst. Handelt es sich um eine seit dem Kindesalter langsam zunehmende Skoliosen, wobei dann im höheren Alter Beschwerden durch einen beschleunigten Degenerationsprozess fehlbelasteter Wirbelsäulenabschnitte entstehen, sprechen wir von idiopathischer adulter Skoliose. Von einer degenerativen adulten oder adulten De-novo Skoliose sprechen wir, wenn im höheren Lebensalter aufgrund von Alterungsprozessen der Bandscheiben und Gelenke, meist im Bereich der Lendenwirbelsäule, ein Drehgleiten der Wirbel eingeleitet wird und dies durch andauernde Fehlbelastung bei gleichzeitig wachsender degenerativer Instabilität und Irritation von Nervenwurzeln zu Beschwerden führen kann (s. Abb. 5.1).

Ursache und Häufigkeit

In wissenschaftlichen Studien wird die Häufigkeit des Auftretens einer adulten Skoliose in der Bevölkerung zwischen 2.5% und 25% angegeben, mit erhöhter Wahrscheinlichkeit eines Auftretens mit zunehmendem Alter. Dieses Phänomen liegt in der Ursache der meisten adulten Skoliosen: Degenerative Prozesse, hormonelle Veränderungen im Alter (insbesondere bei Frauen) sowie Knochendichteverringerung, wie z.B. bei Osteoporose, begünstigen die Entstehung einer Skoliose im Alter.

Mögliche Beschwerden und Symptome

Die Beschwerden werden verursacht durch degenerative, verschleißbedingte Instabilitäten in den betroffenen Wirbelsegmenten, Arthrose der kleinen Wirbelgelenke und/oder auch Degeneration von Bandscheibenstrukturen. Der degenerative Prozess in Kombination mit dem für die adulte Skoliose typischen Drehgleiten der Wirbel zueinander kann zu Einengung der Nervenwurzeln und auch des Spinalkanals (sog. Spinalstenose) führen. Typische Symptome neben lokalen Rückenschmerzen und ausstrahlenden Schmerzen in die Beine können auch eine eingeschränkte Gehstrecke (z.B. bei Claudicatio spinalis) sowie zunehmende funktionelle Einschränkungen und Bewegungsdefizite sein.

Konservative Behandlung

Der erste Behandlungsweg bei adulter Skoliose ist immer der konservative. Zum Erhalt von Form und Funktion gehen physiotherapeutische und physikalische Maßnahmen in Unterstützung einer stufenweisen medikamentösen Schmerztherapie Hand in Hand. Gezielte Spritzenbehandlungen können mittel- und auch langfristig eine drastische Symptomreduktion erreichen. Ein allgemeiner Muskelaufbau sowie Gewichtsreduktion ist ebenfalls für viele Betroffene ein erprobtes Mittel bei der Behandlung der Beschwerden.

Operative Therapie

Bei ausgereizter konservativer Behandlung, hohem Leidensdruck oder sogar neurologischen Ausfällen ist die operative Behandlung das Verfahren der Wahl. Die Behandlungsmöglichkeiten reichen hier bei fokalem Hauptbefund von der minimal-invasiven dekompressiven Operation mit / ohne Stabilisierung zur aufwendigeren Korrekturspondylodese bei Patienten mit ausgeprägten Befunden. Hierbei kommen meist dorsale und in Kombination dorsale und ventrale Verfahren zum Einsatz. Moderne Techniken und Operationsverfahren habe auch die sichere Behandlung älterer Patienten bei akzeptablem Risikoprofil ermöglicht. Beispiele langstreckiger Korrekturoperationen zur Behandlung der adulten Skoliose bei einem jüngeren Erwachsenen (Abb. 5.2) und älteren Erwachsenen mit kürzerer (Abb. 5.3.) und langstreckiger Korrekturoperation (Abb. 5.4) sind dargestellt.

Abb. 5.1: Adult Skoliose mit Verkippung der Wirbel und Drehgleiten
Abb. 5.2: Erwachsenenskoliose / Adult Skoliose, 30-45 Jahre, Krümmung der Brust- und Lendenwirbelsäule von >90°, Darstellung vor und nach operativer Korrektur sowie sog. Bendingaufnahme vor der Operation zur Beurteilung der Rigidität (Flexibilität) der Skoliose
Abb. 5.3: Erwachsenenskoliose mit Krümmung von 85°, prä- und postoperativ
Abb. 5.4: Rigide Erwachsenenskoliose mit Krümmung 70°, prä- und postoperativ