SKOLIOSEN: Frühkindliche Skoliose

Definition

Unter den frühkindlichen Skoliosen werden die infantile und juvenile Skoliose mit  einem Auftreten bis einschließlich zum 3. Lebensjahr bzw. zwischen dem 4. und 10. Lebensjahr erfasst.

Ursache und Häufigkeit

Die infantilen und juvenilen Skoliosen stellen einen Anteil von 1% bzw. 12%-21% der idiopathischen Skoliosen. Es handelt sich um seltene Erkrankungen des Achsenskeletts. Die Ursache der idiopathischen Form ist noch nicht vollständig geklärt, hingegen liegen der kongenitalen Skoliose bekannte angeborene Wirbelkörper- und Segmentanomalien zugrunde. Bei der neuromuskulären Skoliose sind es meist angeborene neurale Störungen und bei der Syndrom-assoziierten Skoliose bzw. bei sekundären Skolioseformen die Folgen systemischer Grunderkrankungen bzw. einer genetischen Syndrom-Erkrankung.

Mögliche Beschwerden und Symptome

Eine zunehmende Verkrümmung des Rückens und Rumpfes, sowie eine asymmetrische Rumpffaltenbildung oder ein Rippenbuckel und ein Lendenwulst können die ersten Symptome sein. Gangstörungen sowie ein Schulter- oder Beckenschiefstand können ebenfalls Anzeichen einer sich ausbildenden frühlknidlichen Skoliose sein. Schmerzen treten hingegen nur selten auf.

Konservative Behandlung

Während die fachärztliche Verlaufskontrolle neben muskulärer Stabilisierung (Physiotherapie) in vielen Fällen ausreichend ist, kommen Gipsredressierung und/oder  die spätere Korsett-Therapie als zeitgewinnende Verfahren auch vor einer späteren operativen Therapie bei höhergradigen und schwereren Fällen erfolgreich zum Einsatz.

Operative Therapie

Bei progressiven und höhergradigen frühkindlichen Skoliosen stellt die operative Therapie als wachstumslenkendes Verfahren den Standard dar. Ziel sind die initiale Skolioseteilkorrektur, Korrekturerhalt und kontrolliertes Rumpfwachstum über den Zeitraum der Behandlung, welche bis zum Wachstumsabschluss der Wirbelsäule andauern kann. Die Techniken beinhalten ein klassisches Distraktionsverfahren. Im klassischen wachstumslenkenden Skolioseverfahren, der sog. Growing-Rod-Therapie, erfolgt nach Implantation von Schrauben-Stab-Verbindungen eine erneute Operation mit offener Distraktion ca. halbjährlich zum weiteren Rumpfhöhengewinn entsprechend dem erfolgten Körperwachstum und Reifegrad des Patienten. Beim sog. gedeckten Distraktionsverfahren sind nach initialer Teilkorrektur der Skoliose keine weiteren operativen Interventionen eingeplant, da die Verlängerung des Rumpfabschnitts von außen, gesteuert über einen einliegenden Magnet-Stab, erfolgen kann (Magnetstab-Verfahren – MAGEC Rod Technology). Dem Kind können somit operative Eingriffe erspart werden. Dieses modernste Verfahren in der Wachstumschirurgie ist in der angeführten Abbildung 6.1 schematisch illustriert. Mit dieser neuen Schlüsseltechnologie im Bereich der Wachstumschirurgie können reproduzierbare Therapieerfolge  erzielt werden. Behandlungsbeispiele sind in den Abb. 6.2 und 6.3 zu sehen.

Abb. 6.1: Illustration der Behandlung von Early Onset – Skoliosem mit Wachstumsstäben (sog. Magnetisch kontrollierte Wachstumsstäbe, MAGEC-Technologie)
Abb. 6.2: Frühkindliche Skoliose bei Syndrom-Erkrankung vor und nach Teilkorrektur und Implantation der Wachstumsstäbe
Abb. 6.3: Frühkindliche Skoliose bei Syndrom-Erkrankung vor und nach Teilkorrektur und Implantation der Wachstumsstäbe